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Luzerne Blattschneider Biene (Megachile rotundata Say)

  • Bestäubung
  • Ein kleines Völkchen
  • Jahresablauf
  • Ansiedelung wilder Bienen
  • Bestäubung

    Die Luzerne Blattschneider Biene, auch bekannt unter dem Namen Alfalfa Blattschneider Biene, ist die weltweit am intensivsten wirtschaftlich genutzte Solitär Biene.

    Mit Hilfe dieser Solitär Biene kann der Ertrag der Luzernesaatproduktion auf das Zehnfache gesteigert werden.

    Ein kleines Völkchen

    Die Luzerne-Blattschneider Biene ist ungefähr so groß wie die Honigbiene, wobei das Weibchen etwas größer ist als das Männchen und erscheint durch die nicht sehr starke Behaarung an verschiedenen Körperteilen schwarz. Das Männchen ist durch die sehr intensive Behaarung grauschwarz. An den Enden der Rückenplatten des Hinterleibs befinden sich gelbe Haarbinden. Der Hinterleib ist abgeflacht und zum Körperende zugespitzt. Die Blattschneider Biene ist ein Bauchsammler und besitzt auf der Bauchseite mehrere parallele Reihen weißer Borstenhaare, die als Sammelbürste zum Aufnehmen des Pollens dienen.

    An Stirn und Kopfschild der Männchen befinden sich dichte gelbbraune Haare. Die vorderen Bauchplatten des Hinterleibs besitzen weiße Fransensäume.

    Die Facettenaugen der weiblichen Tiere sind schwarz, die der männlichen grün.

    Die Männchen haben starke Beißwerkzeuge, um durch das Deckblütenblatt zu dringen, welches die Blüte schützt und bei einem Insektenbesuch einen Schlag gegen den Unterleib ausübt.

    Weibchen haben kleinere Beißwerkzeuge, die aber sehr gut geeignet sind, um Blätter zu schneiden, die für den Nestbau gebraucht werden.

    Jahresablauf

    In die Niströhren werden ovale Ausschnitte geeigneter Laubblätter eingetragen, wie etwa der Luzerne, seltener von Rosen oder Sonnenblumen. Daraus baut das Weibchen fingerhutartige Zellen, die zu etwa zwei Dritteln mit einem teigartigen Gemisch aus Pollen und Nektar gefüllt werden. Das restliche Drittel wird allein mit Nektar gefüllt, auf den das Ei abgelegt wird.

    Danach wird die Zelle mit mehreren kreisrunden Blattausschnitten verschlossen. In einer Niströhre werden hintereinander mehrere Brutzellen angelegt. Mit einem Pfropfen aus Blättern wird die Röhre verschlossen.

    Aus dem Ei entwickelt sich nach zwei bis vier Tagen die Larve, die sich vom eingetragenen Pollen-Nektar-Gemisch ernährt. Danach spinnt sie sich in einen seidig glänzenden Kokon ein, in dem sie als voll ausgewachsene Ruhelarve oder Präpuppe überwintert. Erst im folgenden Frühjahr entwickelt sie sich zur Puppe und danach zur voll ausgewachsenen Biene.

    Die Haltung von Alfalfa-Blätterbienen ist hinreichend bekannt, so dass die Kokons durch ein Temperaturmanagement manipuliert werden können, um zu der geeigneten Zeit für die Blüte der Luzerne die Bienen bereitstellen zu können. Der Kokon, der die Puppen enthält, muss kühl gelagert werden, um den Schlupf zu verzögern. Wenn die Bienen schlüpfen sollen, muss die Temperatur dann für 2 – 3 Wochen auf ca. 30°C erwärmt werden.

    Ansiedelung wilder Bienen

    Wildbienen fliegen in der Regel nicht weiter als 100m in ein Feld hinein. Wenn Felder so groß werden, dass Solitär Bienen nicht weiter hineinfliegen und bestäuben, müssen Bienenkolonien in die Felder gestellt werden.

    Honigbienen sind in der Regel zögernde Bestäuber von Luzerne, aufgrund ihrer offensichtlichen Abneigung gegen den kraftvollen Schlag mit den Staubgefäßen unter den Kopf, wenn die Blüte ausgelöst wird. Honigbienen lernen rasch, dem Schlag auszuweichen, indem sie die Blüten von außen anbeißen und nur den Nektar saugen.

    Die Blattschneider Bienen tun das nicht und bestäuben in jedem Fall die Blüten, denn sie verkraftet den Schlag bei der Öffnung der Luzerneblüte.

    Durch den Rückgang der Bienenfauna ging in den 1950er Jahren die Erträge der Luzernesaatgutproduktion deutlich zurück. Es wurden Untersuchungen an verschiedenen Luzerne bestäubenden Insekten durchgeführt, um darunter für eine mögliche kontrollierte Aufzucht geeignete Arten zu finden. Nachdem erste Versuche mit einer 1958 zufällig gefundenen größeren Population der Luzerne-Blattschneider Biene erfolgreich angelaufen waren, wurde gezielt nach geeigneten Haltungsmöglichkeiten gesucht. Meistens werden Niströhren bereitgestellt und Blattschneider Bienen angesiedelt. Zwischen 1975 und 1985 wurden allein in den USA und Kanada jährlich ungefähr 750 Millionen Brutzellen gehandelt, deren Stückpreis zu dieser Zeit bei 1,5 bis 2,5 Cent lag. Daneben entwickelte sich ein Markt mit Zubehör für Zucht und Haltung dieser Solitär Bienen.

    Im Freiland wird mit Besatzstärken zwischen 5.000 und 50.000 Brutzellen pro Hektar gearbeitet. Bei Einsatz in Gewächshäusern sind deutlich weniger Tiere erforderlich und es kann auf die bei Hummeln und Honigbienen erforderliche Zusatzfütterung verzichtet werden. Stattdessen müssen geeignete Blattquellen für den Bau der Brutzellen zur Verfügung gestellt und Beleuchtungsstärken von mindestens 5.000 Lux gewährleistet werden. Durch die Möglichkeit, den Schlupftermin gezielt steuern zu können, steht die Luzerne-Blattschneider Biene ganzjährig als Bestäuber zur Verfügung.

    Eine weibliche Blattschneider Biene kann durch ihre Befruchtungsleistung ca. 100g Saat erzeugen.