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Pflaume (Zwetschke) (Prunus domestica L.)

  • Bestäubung
  • Forschung
  • Beschreibung
  • Quellen
  • Bestäubung (1) (2) (3)

    Fremdbestäubung ist eine Voraussetzung für eine gute Pflaumenernte.
    Der Ertrag wird um 150% gesteigert und die Pflaumengröße nimmt zu bis auf annähernd den dreifachen Wert (im Vergleich zu fehlender Insektenbestäubung).

    Aus Erfahrung und auf Basis der Literaturempfehlungen wird geraten, ca. 2,5 - 3 Völker pro Hektar aufzustellen.
    Der Literaturdurchschnitt liegt bei 3,2 Völkern pro ha

    Vergleich der Pflaume mit anderen Kulturpflanzen, bezogen auf den empfohlenen Einsatz von Bienenvölkern pro ha:

    Vorteile für Obstbauern

    Vorteile für den Imker

    Nachfolgend werden die Honig- und Pollenqualität der Pflaume im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen auf einer Skala von 0-4 dargestellt:

    Forschungse​rgebnisse (4) (5) (1) (2) (6)

    Sorten der Pflaumen reichen von komplett selbststeril bis zu komplett selbstfertil, jedoch benötigen die meisten von ihnen Fremdbestäubung durch eine passende Bestäubersorte welche beständig zur selben Zeit wie die Hauptkultur blüht. Bei alle Sorten verbessert sich jedoch durch Fremdbestäubung die Fruchtbildung.

    Einige Variationen erfordern spezifische andere Sorten als Bestäuber und produzieren keine Frucht ohne den Pollen dieser Pflanze. Umgekehrt sind ein paar Sorten kreuzungsinkompatibel, und es kommt zu keiner Fruchtbildung mit fremden Pollen. Alle Sorten, auch die selbstfertilen, benötigen Insekten um den Pollen zu den empfangsbereiten Narben zu transportieren. Bei selbststerilen Sorten sollte darauf geachtet werden, Hauptsorte und Bestäubersorte so zu setzen, dass Bienen bei ein und demselben Sammelflug beide Variationen anfliegen. Die gängigste Art und Weise, um dies zu erreichen, ist das Setzen von Bestäuberpflanzen als jeden dritten Baum in jeder dritten Reihe. Die Bestäuber sollten kurz vor Öffnen der ersten bis zum Abblühen der letzten Blüten Pollen liefern. Wenn das nicht mit einer Sorte bewerkstelligt werden kann, müssen zwei verschiedene Bestäuber in die Kulturen integriert werden.

    Kultur Benötigt Bestäuber? Passende Bestäuber
    Laroda Ja, selbststeril Beauty, Friar, Queen Rosa, Santa Rosa, Wickson
    Santa Rosa Nein, aber wünschenswert, teilweise selbststeril Beauty, Queen Rosa, Wickson, Narrabeen, Ruby Blood
    Black Amber Ja Queen Rosa, Durado
    Stirling Ja Laroda, Wickson, Santa Rosa
    Friar Ja, selbststeril Casselman, Laroda, Santa Rosa, Black Amber
    Ruby Blood Ja Santa Rosa, Mariposa, Narrabeen, Wickson
    Simka Nein Friar, Black Amber
    Narrabeen Ja, blüht früh Mariposa, Santa Rosa, Buby Blood
    Kelsey Ja Wickson, Santa Rosa, Beauty
    Mariposa Ja, blüht früh Beauty, Lorada, Santa Rosa, Narrabeen
    Queen Anne Ja Lorada, Santa Rosa, Casselman
    Satsuma Ja,selbststeril Santa Rosa
    Wilson Ja Santa Rosa, Queen Rosa, Friar
    Queen Rosa Ja, blühr früh Casselman, Friar, Laroda, Santa Rosa, Simka, Black Amber
    Salad Ja, blüht früh Narrabeen, Mariposa, Santa Rosa
    Beauty Nein, aber wünschenswert Saroda, Santa Rosa, Wickson
    Wickson Ja Santa Rosa, Ruby Blood, Beauty
    Quelle: www.agric.wa.gov.au, 2010.

    Pflaumen benötigen in den meisten Fällen Pollenkörner einer anderen kompatiblen Blüte zum richtigen Zeitpunkt, damit ein entwicklungsfähiger Pollenschlauch das Ovarium erreicht und eine Frucht gebildet werden kann. Um sicherzustellen, dass solcher Pollen eine maximale Anzahl von Blüten erreicht, wird eine Vielzahl an Bestäubern benötigt. Honigbienen sind die wichtigsten Bestäuber der Pflaume; sie befliegen die Kulturen in ausreichendem Maße, vor allem morgens. Bäume, die in unmittelbarer Nähe von Bienenvölkern stehen, zeigen einen größeren Fruchtansatz als jene, die weiter entfernt wachsen.

    Zwischen 125m und 300m Entfernung zum Bienenstand sank die Fruchtbildung um 242%. (Casilda et al., 1994) Die Aktivität der Honigbienen sinkt mit steigender Distanz zwischen den Beuten und den Blüten. Es wird mit empfohlen, den Abstand nicht größer als 300m zu wählen. Darüber hinaus sinkt die Bestäubung und Fruchtbildung sehr stark ab.

    Pflaumen werden auch sehr gern von Wildbienen und anderen Insekten, wie Hummeln und Fliegen beflogen. Allerdings wurde in Feldversuchen ermittelt, dass über 85% der Blütenbesucher Honigbienen waren. Wind hingegen ist kein Faktor.

    Obstbauern sollten berücksichtigen, dass bei großen Plantagen die lokalen Bienen wegen der Fülle an Blüten nicht für eine Bestäubung ausreichen.

    Es wurden die folgende Messungen bei Pflaumen durchgeführt:

    Es wird empfohlen, die folgende Anzahl Bienenvölker (in geringem Abstand, verteilt) in die Plantage zu stellen:
    Allen (1929): 2,5 Völker pro ha
    Langridge und Goodman (1985): 2,5 Völker pro ha
    australisches Department of Agriculture and Food: 2 – 4 Völker pro ha
    McGregor (1976): 2,5
    Standifer und McGregor (1977): 2,5 – 5
    Crane und Walker (1984): 2,5
    Mayer et al. (1986): 5
    Kevan (1988): 2,5
    Scott –Dupree et al. (1995): 2,5

    Durchschnitt der Werte in der Literatur: 3,2 Völker pro ha.

    Beschreibung (7) (8) (6)

    Pflaumen werden gegenwärtig in den USA, Kanada, Südafrika, Frankreich, Deutschland, Italien, ehem. Jugoslawien, Rumänien, Moldawien, England und der Tschechei angebaut.

    Pflaumen bevorzugen warme Standorte. Besonders wichtig ist ein warmes Klima gegen Ende der Reifezeit, denn dann muss der der typische Geschmack ausgebildet werden. Alle warmen, nährstoffreichen und feuchtigkeitshaltenden Böden sind für den Pflaumenanbau geeignet. Auf trockenen Böden werden die Früchte vorzeitig abgeworfen. Durch die Wahl von geeigneten Unterlagen können die Ansprüche der Pflaumensorten dem Boden angepasst werden. Lediglich robuste Sorten wie beispielsweise die heimische Hauszwetschke und ihre ausgelesenen Typen gedeihen auch noch in raueren Lagen.

    Die Pflaume stellt sehr hohe Anforderung an die Feuchtigkeit. Der durchschnittliche Niederschlag soll 700mm betragen, davon 50% während der Vegetationsperiode. Häufiger Niederschlag im Spätsommer führt zum Platzen und Faulen der Früchte.

    Einjährige Zweige haben 12 bis 117 Blüten pro m², zwei- oder mehrjährige Zweige besitzen 96 bis 153 Blüten/m².

    Die Blüten der Zwetschke besitzen fünf Kronblätter, einige Staubblätter und einen Griffel mit einer zweiteiligen Narbe. Die Samenanlage besteht aus einer Kammer, in der sich zwei weibliche Eizellen befinden, von denen sich normalerweise nur eine entwickelt. Die Staubblätter können länger, kürzer oder gleich lang sein wie die Narbe, abhängig von der Sorte. Die Narbe selbst ist aufnahmebereit, sobald sich die Blüte öffnet. Staubbeutel sondern erst Pollen ab, wenn die Blüte vollständig geöffnet ist. Die Blühdauer der Pflaumenblüte dauert 4 bis 15 Tagen, abhängig vom Wetter und der Sorte.

    Das Trageverhalten der Pflaumen ist variabel und nicht gut kalkulierbar.

    Die Pflaumen produzieren eine beachtliche Menge Nektar. Diese wird an der Basis des Griffels abgegeben. Zwischen den Gattungen und Arten, und manchmal auch zwischen den Kultursorten, bestehen Unterschiede der Nektarsekretion, sowohl in Bezug auf Menge und Zuckergehalt des Nektars wie auf seine chemische Zusammensetzung. Daraus ergeben sich Unterschiede der Attraktivität für Insekten. Der Zuckergehalt des Nektars ist nicht sehr hoch und liegt unter dem Wert, welcher Bienen anlockt. Dadurch ist die Pflaumenblüte nicht sehr attraktiv für Honigbienen. Wenn andere Trachten zur Verfügung stehen, fliegen die Bienen diese lieber an. Deshalb sollte der Obstbauer dafür sorgen, dass während der Blütezeit keine Nektarkonkurrenten blühen.

    Das Pollenangebot der Blüten ist reichhaltig, biologisch hochwertig und attraktiv für Honigbienen. Bei einer Temperatur unter 10°C keimt der Pollen nur langsam, das Wachstum des Pollenschlauchs ist verlangsamt, die Narbe hat eine geringe Aufnahmefähigkeit und eine Befruchtung tritt nicht ein oder die Entwicklung des Keimzelle wird vorzeitig beendet.

    Quellen

    1. Woodcock, T. S.: Pollination in the Agricultural Landscape; Best Management Practices for Crop Pollination, 2012, http://www.pollinator.ca/bestpractices/images/Pollination%20in%20Agricultural%20Landscape_Woodcock_Final.pdf (03.04.2017).
    2. Delaplane, K. S./ Mayer, D. F.: Crop Pollination by Bees, 2000.
    3. Radtke, J.: Bienen als natürlichen Ertragsfaktor nutzen, LIB, 2013.
    4. Klein, A.: Abhängigkeit von Bestäubung, Proceedings of the Royal Society London, 2007.
    5. Klein, A.: Kategorisierung der Bestäubung + Quellen, Proceedings of the Royal Society LondonB_2007-supplements2, 2007.
    6. S. Mandl, Sukopp: Bestäubungshandbuch, 2011.
    7. Pritsch, G.: Bienenweide, 2007.
    8. Bundessortenamt: Bundessortenliste, https://www.bundessortenamt.de/internet30/index.php?id=47 (03.04.2017).