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Rotklee (Trifolium pratense L.)

  • Bestäubung
  • Forschung
  • Beschreibung
  • Quellen
  • Bestäubung (1) (2) (3)

    Rotklee kann sich ohne Fremdbestäubung nicht fortpflanzen.
    Nicht alle Insekten sind in der Lage, Rotklee zu bestäuben. Honigbienen sind geeignet. Hummeln sind besser geeignet.
    Mit Honigbienen als zusätzliche Bestäuber entstehen 10 Mal mehr Blüten als mit ausschließlicher Bestäubung durch natürlich vorkommende Insekten, auch bedingt durch deren geringen Flugradius.

    Aus Erfahrung wird empfohlen, ca. 6 bis 10 Völker pro Hektar aufzustellen.

    Vergleich des Rotklee mit anderen Kulturpflanzen, bezogen auf den empfohlenen Einsatz von Bienenvölkern pro ha:

    Vorteile für den Landwirt

    Vorteile für den Imker

    Nachfolgend werden die Honig- und Pollenqualität des Rotklees im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen auf einer Skala von 0-4 dargestellt:

    Die Blüten des Rotklees sind sehr schmal und durch einen Klemm-Mechanismus geschützt, der von den Insekten beim Besuch geöffnet werden muss. Die Bienen müssen ihren Kopf mit Kraft in die Blüte schieben, um an den Nektar heran zu kommen und werden dabei an der Unterseite des Kopfes mit Pollen bepudert.

    Rotklee ist nicht in der Lage, durch Selbstbestäubung Samen zu erzeugen. Es werden in jedem Fall Pollen von anderen Blüten gebraucht.

    Dadurch, dass die Blüte sehr lang ist, werden Insekten benötigt, die lange Zungen haben. Bei den Honigbienen gibt es Unterschiede in der Zungenlänge, so dass es vorkommen kann, dass bestimmte Züchtungen besser oder schlechter bestäuben können. In der Hauptblütezeit sind allerdings die Nektarien so voll, dass alle Bienen leicht an den Nektar gelangen können.

    Bienen fliegen sehr intensiv bis zu 250 m weit in das Feld hinein. Bei jeder größeren Entfernung nimmt der Bestäubungserfolg ab.

    Da Rotklee erst recht spät im Jahr blüht, gibt es nicht sehr viel Konkurrenzangebote für die Bienen. Die Imker haben in dieser Zeit die folgenden Trachten zur Auswahl: Phacelia, falls angebaut und erreichbar, Linde, Heide und Wald. Dadurch kann es vorkommen, dass Imker nicht mit allen Völkern anwandern wollen. Wenn der Bedarf allerdings sehr hoch ist, muss der Imker über eine entsprechende Bestäubungsprämie gelockt werden.

    Forschungse​rgebnisse (4) (5) (1) (2)

    Jede Rotkleeknospe besteht aus 55 – 275 Blüten, die sich über 6 bis 10 Tage öffnen, beginnend am unteren Ende des Kopfes und nach oben fortsetzend.

    Jede Blüte hat 2 Fruchtknoten, von denen jedoch in der Regel nur einer für die Fortpflanzung ausgebildet ist. Jede Blüte hat 10 Pollenblätter. Die deutlich größere Narbe steht aus den Pollenstengeln hervor bis zum Blütenrand, so dass sie von den Insekten immer berührt werden muss, wenn diese nach Nektar suchen. Die Blüte ist mit einem Kielblütenblatt abgedeckt.

    Wenn das Insekt mit dem Kopf gegen das Kielblütenblatt drückt, um in die Blüte zu kommen, berührt es in der Folge immer die Pollenblätter und die Narbe. Die Blüte soll 2 – 4 Tage nach der Öffnung bestäubt werden, um eine optimale Fruchtbarkeit zu gewährleisten.

    Hummeln sind als Individuen besser für die Bestäubung geeignet, weil sie eine längere Zunge haben und dadurch schneller arbeiten (kürzere Verweilzeit auf der einzelnen Blüte). Allerdings gibt es auch kurz zungige Hummeln, die die Blüte am Boden durchbeißen, um an den Nektar zu kommen. Dadurch erfolgt keine Bestäubung, auch nicht durch nachfolgende Bienen.

    An sehr heißen und trockenen Tagen wird sehr viel Nektar produziert, so dass dann der Rotklee sehr attraktiv ist, auch wenn andere Pflanzenarten in Erreichbarkeit der Bienenvölker sind.

    Beschreibung (6) (7)

    Der ein- bis mehrjährige, stark belaubte Rotklee ist eine der wertvollsten Pflanzen für den Feldfutterbau und hat im Vergleich zu anderen Kleearten immer noch eine mittlere bis große Anbaubedeutung.

    Die Aussaat kann als Unter- oder als Blanksaat erfolgen, letztere ist zu bevorzugen, weil sie bereits im Aussaatjahr ein bis zwei Schnitte erlaubt, ohne das volle Leistungsvermögen im Hauptnutzungsjahr zu beeinträchtigen. Wird eine mehrjährige Nutzung angestrebt, ist der Anbau im Gemenge mit Gras vorzuziehen, wobei jedoch erfahrungsgemäß der Kleeanteil im zweiten Nutzungsjahr abnimmt. Dem kann durch Verwendung kleekrebsresistenter und länger ausdauernder Sorten begegnet werden.

    Seit 1994 werden die Rotkleesorten auch in 2-jähriger Nutzung geprüft.

    Die Beschreibung der zusätzlichen Eigenschaften belegt, dass die Sorten in ihrem Ausdauerverhalten, vor allem auch an kleekrebs- und colletotrichum-gefährdeten Standorten sehr unterschiedlich zu bewerten sind.

    Aufgrund ihres Entwicklungsrhythmus können die Rotkleesorten zwei Gruppen zugeordnet werden. Die Gruppe ‚Normalrotklee‘ umfasst hinsichtlich des Blühbeginns eine breite Zeitspanne. Die Sorten sind mehrschnittig, wachsen nach dem ersten Schnitt rasch nach und bringen auch in den folgenden Schnitten noch befriedigende Erträge. Die in Deutschland vorwiegend übliche Nutzungsweise entspricht damit diesem Wachstumsverlauf.

    Die Sorten der Gruppe ‚Spätrotklee‘ sind vorwiegend einschnittig, bringen im Vergleich zum Normalrotklee bei deutlich späterer Blüte erfahrungsgemäß höhere Erträge im ersten Schnitt, bleiben jedoch im Gesamtertrag dem Normalrotklee unterlegen. Sie werden daher bei uns kaum verwendet. Zurzeit sind keine Spätrotkleesorten zugelassen.

    Aus der züchterischen Bearbeitung von Wiesen- oder Naturklee (Trifolium pratense var. spontaneum Willk.) ist der sogenannte Wiesenrotklee hervorgegangen. Infolge seines völlig anderen Wuchs- und Ertragsverhaltens findet er ausschließlich für Begrünungszwecke im Landschaftsbau Verwendung. Seine Beschreibung weicht deshalb auch von der des Normalrotklees ab.

    Der Saatgutbedarf wird bei Rotklee aus Inlandsvermehrungen und Importen gedeckt. Im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2015 wurden jeweils ca. 2 300 ha Vermehrungsfläche zugelassener Sorten mit Erfolg angebaut.
    Der Saatgutertrag liegt im Durchschnitt bei 2 bis 3 dt/ha, auch 4 dt/ha sind möglich. Die Tausendkornmasse diploider Sorten liegt um 1,8 g, die tetraploider bei 2,5 bis 3,0 g.

    Quellen

    1. Woodcock, T. S.: Pollination in the Agricultural Landscape; Best Management Practices for Crop Pollination, 2012, http://www.pollinator.ca/bestpractices/images/Pollination%20in%20Agricultural%20Landscape_Woodcock_Final.pdf (03.04.2017).
    2. Delaplane, K. S./ Mayer, D. F.: Crop Pollination by Bees, 2000.
    3. Radtke, J.: Bienen als natürlichen Ertragsfaktor nutzen, LIB, 2013.
    4. Klein, A.: Abhängigkeit von Bestäubung, Proceedings of the Royal Society London, 2007.
    5. Klein, A.: Kategorisierung der Bestäubung + Quellen, Proceedings of the Royal Society LondonB_2007-supplements2, 2007.
    6. Pritsch, G.: Bienenweide, 2007.
    7. Bundessortenamt: Bundessortenliste, https://www.bundessortenamt.de/internet30/index.php?id=47 (03.04.2017).