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Erdbeere (Fragaria L.)

  • Bestäubung
  • Forschung
  • Beschreibung
  • Quellen
  • Bestäubung (1) (2) (3)

    Fremdbestäubung ist eine Voraussetzung für eine gute Erdbeerproduktion.
    Der Ertrag kann dadurch verdoppelt werden, weil die Früchte größer und schwerer werden, die Missbildungen abnehmen und weniger Früchte abfallen.

    Aus Erfahrung und auf Basis der Literaturempfehlungen wird geraten, ca. 1,5 Völker pro Hektar aufzustellen.

    Vergleich der Erdbeere mit anderen Kulturpflanzen, bezogen auf den empfohlenen Einsatz von Bienenvölkern pro ha:

    Vorteile für Obstbauern

    Vorteile für den Imker

    Nachfolgend werden die Honig- und Pollenqualität der Erdbeere im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen auf einer Skala von 0-4 dargestellt:

    Forschungse​rgebnisse (4) (5) (1) (2) (6)

    Die meisten kommerziellen Sorten der Erdbeere sind selbstbefruchtend; der Pollen der eigenen Staubblätter sorgt dafür. Um eine makellose Frucht hervorzubringen ist es essentiell, dass jeder Griffel der Blüte bestäubt wird, was bei einer Selbstbestäubung jedoch nicht möglich ist. Demnach sind Wind und Bienen ein wichtiger Faktor für die Bestäubung.

    Zwittrige Blüten müssen nicht zwingend komplett selbstbefruchtend sein. Die Staubblätter sind so angeordnet, dass sie, wenn sie Pollen abgeben, viele, aber nicht alle Stempel bedecken. Jedoch ist eine Bestäubung aller Stempel notwendig, um eine maximale Beerengröße zu erhalten. Bei kompletter Bestäubung sollte sich eine perfekt geformte Beere entwickeln.

    Erdbeeren sind selbstbestäubend, können durch Wind und Insekten bestäubt werden.

    In Feldversuchen wurde ermittelt, dass Erdbeeren ohne Wind und Insekten zu 53% bestäubt werden, durch Wind erhöht sich die Bestäubungsrate auf 67% und bei Insektenbestäubung wächst die Bestäubungsrate auf 91%. Das bedeutet, dass Insektenbestäubung zusätzlich immer vorteilhaft ist und die Erträge erhöht.

    Die Staubblätter sind bei den verschiedenen Sorten unterschiedlich lang. Die Sorten mit kürzeren Staubbeuteln profitieren mehr von der Insektenbestäubung als die Sorten mit langen Staubbeuteln, denn bei diesen ist die Windbestäubung nicht so effektiv und die Insekten bewegen sich über den Staubbeuteln und nehmen den Pollen mit Ihrer Behaarung an der Bauchunterseite auf. Mit der Bauchunterseite streichen sie dann über die Griffel und führen die Bestäubung durch.

    Der Fruchtansatz erhöht sich mit der Anzahl der Bienenanflüge. Damit es zu einer maximalen Größe der Frucht kommt, müssen alle Narben aufnahmebereit sein.

    11-15 Anflüge durch Bienen sind Voraussetzung, um die meisten weiblichen Eizellen der Blüte zu befruchten. Um einen akzeptablen Ertrag mit einer guten Fruchtgröße zu erzielen, sollten die Pflanzen zumindest 15 Tage einer Fremdbestäubung durch Insekten ausgesetzt sein. Jede Blüte sollte mindestens 16 bis 20 Anflüge bekommen. Mehr Anflüge resultierten in schwereren Beeren; 16-20 Anflüge resultierten in 5,36g schweren Beeren, und 21-25 Anflüge produzierten Beeren mit durchschnittlich 8,13g.

    Blüten, welche zur empfänglichsten Zeit, dem Moment der vollständigen Entwicklung der Reproduktionsorgane, bestäubt wurden, produzierten Beeren, die 13,3% bis 58,3% schwerer waren als jene, welche vor dieser Zeit bestäubt wurden. Die Bestäubung kann durch Honig- oder durch Wildbienen erfolgen. Entscheidend ist die Mindestanzahl an Anflügen, die erreicht werden muss.

    Bei einer Fremdbestäubung durch Insekten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Fruchtbildung von 31-39% auf 55-60%. Auch die Anzahl der missgebildeten Früchte ist ungleich geringer.

    Versuche mit gekäfigten Flächen bestätigten den gesteigerten Ertrag und die Reduktion der missgebildeten Früchte durch die Anwesenheit von Bienen. Die Ergebnisse dieser Versuche lassen sich wie folgt zusammenfassen:
    Gesteigerter Fruchtansatz: 25% (Sannino und Priore, 1979)
    Gesteigerter Ertrag: 18-100% (Blasse, 1981)
    Verringerte Wahrscheinlichkeit einer missgebildeten Frucht: 9% (Sannino und Priore, 1979) bis 41% (Goodman und Oldroys, 1988)
    Verringerte Wahrscheinlichkeit von abfallenden Früchten: 49% (Lackett und Brukhardt, 1979)
    Gesteigerte Fruchtgröße: 7% (Moeller und Koval, 1973) bis 16% (Goodman und Oldroyd, 1988)

    Bei Messungen in Glashäusern zeigte sich bei Besatz ohne Bienen eine Fruchtbildung in 50-59% der Fälle, während bei Anwesenheit von Bienen eine Bildung der Frucht von 80% beobachtet werden konnte, und der schlussendliche Ertrag bei Glashäusern mit Bienen fiel um 107% höher aus. 90% der Bestäubung erfolgte durch Insekten, von denen Honigbienen wiederum 90% ausmachten.

    Es ist zu beachten, dass der Beflug durch Honigbienen sehr auf gutes Wetter limitiert ist.

    Es wird empfohlen, ca. 1,5 Bienenvölker pro ha in unmittelbarer Nähe der Pflanzen aufzustellen.

    Beschreibung (7) (8) (6)

    Die Blüten aller gegenwärtigen Kulturen sind zweigeschlechtlich.

    Die Blüten der Erdbeere sind weiß und messen 2,5-3,8 cm im Durchmesser. Jede Blüte besitzt fünf Kronblätter, zahlreiche Griffel mit jeweils einer Kammer, sowie 24 bis 36 Staubblätter. Die erste Blüte wird Primärblüte genannt und hat 350 Narben, die nächsten zwei sind Sekundärblüten mit 260 Narben und schließlich bilden vier weitere Blüten die Tertiärblüten mit circa 180 Narben. Primärblüten produzieren die größte Frucht.

    Die Staubblätter der Erdbeere färben sich gelb sobald sie fruchtbaren Pollen besitzen; die Narben werden empfangsbereit noch ehe die Staubbeutel den Pollen freigeben. Erst wenn die Blüte für einige Zeit geöffnet ist und die Staubbeutel zu trocknen beginnen, wird der Pollen abgegeben. Dies führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit der Fremdbestäubung. Wenn sich die trockenen Staubbeutel öffnen, wird der Pollen explosionsartig über die zahlreichen Narben verteilt. Dadurch ist auch eine Selbstbestäubung möglich. Sobald der Pollen freigesetzt wurde, bleibt er für einige Tage nutzbar.

    Am Wahrscheinlichsten findet eine Bestäubung während der ersten vier Tage nach Öffnung der Blüte statt, jedoch beginnen einige Blüten schon am zweiten Tag zu vertrocknen.

    Erdbeerblüten bleiben empfangsbereit für bis zu sieben Tage nach der Öffnung, bei kühlem Wetter sogar bis zu 10 Tage, jedoch ist die Anzahl der Samen bei spät bestäubten Blüten reduziert. Befruchtete weibliche Eizellen regen das umliegende Gewebe zum Wachstum an; nicht befruchtete Eizellen bilden meist gar keine Frucht und wenn doch, ist sie häufig missgebildet.

    Erdbeerblüten produzieren zwar Nektar und Pollen, sind aber für Bienen oft nicht attraktiv.

    Quellen

    1. Woodcock, T. S.: Pollination in the Agricultural Landscape; Best Management Practices for Crop Pollination, 2012, http://www.pollinator.ca/bestpractices/images/Pollination%20in%20Agricultural%20Landscape_Woodcock_Final.pdf (03.04.2017).
    2. Delaplane, K. S./ Mayer, D. F.: Crop Pollination by Bees, 2000.
    3. Radtke, J.: Bienen als natürlichen Ertragsfaktor nutzen, LIB, 2013.
    4. Klein, A.: Abhängigkeit von Bestäubung, Proceedings of the Royal Society London, 2007.
    5. Klein, A.: Kategorisierung der Bestäubung + Quellen, Proceedings of the Royal Society LondonB_2007-supplements2, 2007.
    6. S. Mandl, Sukopp: Bestäubungshandbuch, 2011.
    7. Pritsch, G.: Bienenweide, 2007.
    8. Bundessortenamt: Bundessortenliste, https://www.bundessortenamt.de/internet30/index.php?id=47 (03.04.2017).